Zu Besuch bei … Herrn T {T 1}

„Gott hat es gern wenn man ihn anruft. Hat Er mir selbst gesagt, als wir uns mal in Dinslaken getroffen haben. Das war ganz am Anfang unserer Bekanntschaft.“

Das erzählt Hanns Dieter Hüsch, der evangelische Kabarettist vom Niederrhein, über seine Bekanntschaft mit dem lieben Gott. Später ist er dann zu Besuch bei Gott im Himmel, einfach so, und umgekehrt kommt der liebe Gott auch mal zum Kaffee vorbei oder aber sie treffen sich zufällig in Dinslaken, wo die Schwester vom lieben Gott eine Wäscherei hat. Wenn Sie sich jetzt wundern, dann kann ich es Ihnen auch nicht erklären. Lesen Sie es doch einfach bei Hanns Dieter Hüsch nach: Einen kurzen Text dazu gibt es zum Beispiel hier.

Gerne würde auch ich einmal den lieben Gott einfach so auf der Straße treffen. Sein Name bedeutet schließlich „Ich bin Da“! Warum sollte das nur in Dinslaken gelten oder im Himmel?

Als ich noch so darüber nachdachte, ob ich den lieben Gott überhaupt erkennen würde, traf ich den Teufel. Das war bei einem Spaziergang an der Grenze zwischen Franken und Thüringen. Er war gerade beim Rasenmähen, in Unterhemd und Sporthose. Er hat dort nämlich ein schönes kleines Häuschen mit großem Garten am Waldrand.

Na, wie wäre es, Herr Teufel, wollen wir nicht heute Abend zusammen ein Bier trinken gehen, rief ich ihm über den Gartenzaun zu.

Geht nicht, sagte er, ist doch wegen Corona alles verboten!

Und da halten Sie sich dran?

Klar! Bin doch ein braver Bürger wie die meisten Menschen hier in Deutschland. Außerdem bin ich schon ziemlich alt, gehöre also eindeutig zur Risikogruppe.

Ach so …

Ja, ich weiß, die meisten Menschen, und sogar Pfarrer wie Sie, stellen sich den Teufel ganz anders vor.

Da hatte der Teufel ins Schwarze getroffen. Ich hatte zwar vermutet, dass es den Teufel vielleicht gar nicht gäbe, aber wenn es ihn gäbe, dann doch nicht …

Na, wenigstens haben Sie keine Angst vor mir, sagte er, nachdem mein Mund wieder zugeklappt war.

Sollte ich denn vor Ihnen Angst haben?

Das kommt ganz darauf an …             
Schade eigentlich, dass wir gerade Corona haben. Ein Bierchen hätte ich gerne mit Ihnen getrunken– natürlich alkoholfrei wie Sie auch.

Woher wissen Sie …?

Dunkles alkoholfreies Weizen, wenn ich mich nicht irre, sagte er und lächelte.

Ja genau! Sie sind wirklich gut informiert.   
Sie gehören zur Risikogruppe, haben Sie gesagt: Ist denn dann bei Ihnen in der, äh, wie soll ich es nennen, ‚Firma‘, ist da auch fast alles geschlossen?

Dazu sage ich nichts: Betriebsgeheimnis!

Verstehe. Es hätte mich halt nur interessiert.

Ich kann Ihnen aber erzählen, wie es im Himmel so zugeht. Da geht im Moment gar nichts mehr: Engelschöre, Sitzungen, Reisen – alles abgesagt! Sogar die Dreieinigkeit hält im Moment den Mindestabstand ein. Wobei ich ja glaube, dass die drei darüber ganz froh sind, mal nicht ständig so eng aufeinanderzuhocken. Schließlich können sie im Moment nicht auf Geschäftsreise gehen wie sonst, wenn sie mal genug voneinander haben.

Das heißt, der liebe Gott ist im Moment nicht in Dinslaken bei seiner Schwester?

Na ja, jedenfalls nicht offiziell, will ich mal sagen.

Und wieso haben die im Himmel überhaupt Angst vor dem Virus?

Na, was meinen Sie, wie viele Dienstreisen zu den Menschen die Engel machen … Da kann man schon mal was einschleppen.

Können Engel denn krank werden?

Tja, normalerweise nicht … aber Vorsicht ist auch da oben die Mutter der Porzellankiste, wenn es um ein unbekanntes Virus geht. Es sind jedenfalls schon einige im Himmel positiv getestet worden nach Dienstreisen.

Symptome?

Wenn da oben erstmal einer positiv getestet ist und weiß, dass er das Virus hat, dann bildet er sich die Symptome mindestens ein. Die sind ja soooo empfindlich da oben.

Und Gott selbst?

Kommt drauf an, welchen von den dreien Sie meinen: Der Heilige Geist kann als Geist kein Virus bekommen. Jesus, so glauben sie im himmlischen Thronrat, ist immun gegen Krankheiten nach allem, was er damals auf der Erde durchgemacht hat.

Und Gott Vater?

Nun: Seit es im Thronrat selbst den ersten Corona-Fall gibt, wird gemunkelt, dass er das Virus aus Dinslaken eingeschleppt hat. Aber er weigert sich, sich testen zu lassen. Und Symptome hat er sowieso keine.

Irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob Sie mich die ganze Zeit veräppeln oder es im Himmel wirklich so zugeht …

Tja, so ist das, wenn man es mit dem Teufel zu tun hat. Da weiß man nie genau, woran man ist.

Ja, das Gefühl hatte ich auch schon immer. Hat mich aber trotzdem gefreut, mal ein paar Worte mit Ihnen zu wechseln über den Gartenzaun.

Ja, mich auch. Sonst gehen immer alle schnell weiter. Vielleicht können wir ja ein anderes Mal ein Bierchen zusammen trinken.

Gerne.

Übrigens fand ich es besonders schön von Ihnen, dass Sie nicht beleidigt waren, obwohl Sie doch viel lieber den lieben Gott getroffen hätten als mich.

Na ja, sich mit dem Teufel zu unterhalten, ist ja auch was Besonderes, was man nicht jeden Tag hat.

Meinen Sie?

Na jedenfalls trifft man Sie in der Regel nicht so, dass man Sie auch als Teufel erkennt.

Da haben Sie allerdings recht!

Erstaunlich übrigens, dass ich Sie sofort ohne jeden Zweifel erkannt habe! Hätte ich Gott getroffen, dann hätte ich ihn bestimmt erstmal nach seinem Ausweis gefragt.

Ja, so seid ihr Menschen. … Jetzt aber tschüss, sonst werde ich mit dem Rasenmähen nicht fertig.

Ja, auf bald vielleicht.

Ganz bestimmt auf bald, rief er mir noch nach, als er den Rasenmäher wieder anließ.

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