am Anfang …

noch nicht
einmal
unsichtbar

lautlos
ohne dass
je
ein Laut

kräuselt

lebendige Gegenwart

die Tiefe

„lebendige Gegenwart“

„lebendige Gegenwart“ heißt diese Seite, weil ich glaube, dass es die Sehnsucht nach ebensolcher lebendiger Gegenwart ist, die uns Menschen im Tiefsten bewegt.

Was ich mit „lebendiger Gegenwart“ meine, leitet sich aus dem Denken von Abraham Joshua Heschel (1907-1972) her, einem polnisch-US-amerikanischen jüdischen Theologen, Religionsphilosophen, Friedensaktivisten. „living presence“ ist einer der Zentralbegriffe seines Denkens. Ich versuche, diesen Begriff hier so kurz wie möglich zu erläutern:

In Heschels Werk hat die geheimnisvolle „presence“ der Herrlichkeit Gottes eine zentrale Bedeutung. Als Bild für diese geheimnisvolle Gegenwart verwendet er die Redensart, dass man von einer Person sagt, sie habe „Präsenz“. Die „lebendige Präsenz“ Gottes, wie er auch sagen kann, trägt also Züge von Personalität, wobei der Begriff „Personalität“ mit dem Begriff „Lebendigkeit“ für Heschel in einem engen Zusammenhang steht. Beide Begriffe haben bei ihm einerseits die Konnotation der Freiheit, der schöpferischen Aktivität, andererseits des „concern“, der liebevollen, sich zuwendenden Sorge um etwas, insbesondere den „Gegenstand“ der schöpferischen Aktivität. In diesem spezifischen Sinne als lebendiger verstanden ist Gott in seiner Schöpfung gegenwärtig als „living presence“, d.h. (biblisch gesprochen) in seiner „Herrlichkeit“. Die ganze Schöpfung ist von der geheimnisvollen Gegenwart der Herrlichkeit Gottes durchdrungen, wofür Menschen allerdings in der Regel blind sind.

Durch „Lebendigkeit“ und „Personalität“ (in gegenüber Gott abgestufter Weise) ist nun aber auch der Mensch bestimmt, was in der Konsequenz bedeutet, dass auch der Mensch charakterisiert ist durch die enge Verbindung von schöpferischer Freiheit und liebevoller Sorge. So kann der Mensch in besonderer Weise die Herrlichkeit Gottes, seine geheimnisvolle Gegenwart repräsentieren. Tatsächlich kann Heschel auch im Hinblick auf die Personalität davon sprechen, dass der Mensch eine besondere „presence“ habe. Zwar bringt Heschel in diesem Zusammenhang nicht explizit die Idee der Gottebenbildlichkeit ins Spiel, aber es ist dennoch klar, dass für ihn diese genau darin besteht: dass der Mensch in ähnlicher Weise „gegenwärtig“ sein kann wie Gott selbst; dass er als eigenständige Person frei ist, aber zugleich diese Freiheit verbunden ist mit der Bindung an den eigenen (und an Gottes) „concern“.


Wer etwas mehr über Abraham Joshua Heschels Theologie erfahren will, kann hier meinen 2015 in der Zeitschrift Quatember erschienenen Artikel zu Heschels Sabbat-Theologie herunterladen; außerdem den (allerdings etwas aus dem Zusammenhang gerissenen) Abschnitt meiner Examensarbeit, aus dem die obigen zwei Absätze stammen.

Auf den Tag warte ich …

… wenn die Fragen aus den
Taschen fallen
auf den Weg
wo der Wind sie